Roter Riesling

Eine besonders spannende önologische Wiederentdeckung des jungen Jahrhunderts ist der Rote Riesling. Viele Weinkenner wussten es gar nicht, aber der „König der Weißweine“, der Riesling, er hat – wie Old Shatterhand – einen „Roten Bruder“. Die Rebsorte Roter Riesling mit ihrer rötlichen Schale wurde schon im 16. Jahrhundert erwähnt und war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen Mischpflanzungen zusammen mit dem Weißen Riesling anzutreffen. Da ampelographisch identisch, ist er bis auf die Färbung der Trauben auch von diesem nicht zu unterscheiden. Der Ursprung dieser Rebsorte ist eine Laune der Natur und so ist auch die Frage unter Experten sehr umstritten, ob es sich um eine Mutation aus dem Weißen Riesling handelt oder dieser vom Roten Riesling abstammt. Jedenfalls, seit Anfang der 2000er Jahre rankt er sich wieder ins Gedächtnis der Weinkenner. Er ist eine Spezialität und ein Lieblingskind der Hessischen Bergstraße.

Der Rote Riesling, der weiß ausgebaut wird, ist eine weinkulinarische Cuvée aus Geschichte, Kultur, Geologie und Genuss. An der Bergstraße – mit ihren vielen Sonnenstunden und den gleichen Jahresdurchschnittstemperaturen wie an den Oberitalienischen Seen – ist der Erhalt alter Rebsorten ein wichtiges Ziel.

Die Hessische Bergstraße ist mit 15 Hektar das größte zusammenhängende Anbaugebiet für „Roten Riesling“ in ganz Deutschland. Viele Winzer pflegen dort den historischen „Newcomer“. Und von dort zieht der wieder entdeckte Tropfen aus in die Welt, auf gutem Wege, ein weinseliges Kultgetränk zu werden. Der Rote Riesling hat tendenziell etwas weniger Säure als der Weiße, vor allem Aromanoten von Apfel und Birne stehen im Vordergrund.